Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verändert die Regeln für Verpackungen in Europa grundlegend. Während sich ein Großteil der öffentlichen Diskussion auf Konsumverpackungen konzentriert, betrifft die Verordnung genauso Industrie- und Transportverpackungen.
Gerade in Branchen mit komplexen Lieferketten, etwa in der Automotive-Industrie, wird das Thema bislang jedoch häufig unterschätzt.
Unser Geschäftsführer Lubomir Kroupa hat im Interview mit dem Fachmagazin Neue Verpackung erklärt, warum Unternehmen sich jetzt intensiver mit den neuen Anforderungen beschäftigen sollten.
Die PPWR ist bereits seit Februar 2025 geltendes EU-Recht. Die ersten verbindlichen Anforderungen greifen jedoch ab dem 12. August 2026.
Ab diesem Zeitpunkt dürfen Industrieverpackungen nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn sie den Anforderungen der Verordnung entsprechen.
Dazu gehören unter anderem:
Für viele Unternehmen bedeutet das einen erheblichen organisatorischen Aufwand.
„Kurzfristig relevant ist vor allem die Verpflichtung zur Ausstellung von Konformitätserklärungen“, erklärt Lubomir Kroupa. „Ab August 2026 müssen wir unseren Kunden bestätigen, dass die Verpackungen den Anforderungen entsprechen.“
Gleichzeitig sind viele Detailfragen noch offen, etwa wie Prüfungen konkret ablaufen oder wie sich die Anforderungen sauber in ERP-Systemen abbilden lassen.
Trotz der klaren Fristen sieht Kroupa aktuell noch wenig konkrete Vorbereitung im Markt.
„Bisher kommen nur vereinzelt Anfragen. Das Wissen darüber, wie man die PPWR konkret angeht, ist in vielen Unternehmen noch begrenzt.“
In der Praxis beschränken sich Anfragen häufig auf eine kurze Bitte um eine Konformitätserklärung. Eine strukturierte Auseinandersetzung mit den neuen Anforderungen findet vielerorts noch nicht statt.
Dabei betrifft die Verordnung nicht nur Verpackungshersteller. Auch Unternehmen, die Verpackungen erstmals befüllen, unter eigener Marke verwenden oder importieren, können rechtlich als Hersteller gelten und damit Verantwortung für die Konformität übernehmen müssen.
Ein zentrales Element der PPWR ist die Recyclingfähigkeit von Verpackungen.
Bei NEXTPACK spielt dieses Thema schon seit Jahren eine wichtige Rolle. Verpackungslösungen bestehen entweder aus papierbasierten Materialien oder aus sortenreinem Polyethylen und sind vollständig recyclingfähig. Produktionsabfälle werden wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt.
„Im Markt sehen wir seit etwa anderthalb bis zwei Jahren einen klaren Trend weg von Styropor und hin zu alternativen Materialien“, sagt Kroupa.
Materialien, die sich nur schwer recyceln lassen, geraten zunehmend unter Druck. Dazu zählen beispielsweise bestimmte vernetzte Schäume, die bisher für empfindliche Sichtteile eingesetzt wurden.
Hier entstehen neue Lösungen auf Basis unvernetzter Kunststoffe oder papierbasierter Konzepte.
Ein weiterer wichtiger Trend ist die Monomaterialität von Verpackungen.
Damit Verpackungen tatsächlich recycelt werden können, müssen Materialien trennbar und sortenrein sein. Verklebte Verbundlösungen werden daher zunehmend durch mechanische Steck- oder Fixiersysteme ersetzt.
„Wir haben beispielsweise gemeinsam mit einem großen Automobilhersteller Verpackungen umgestellt, ohne die Funktion zu verändern – aber mit klaren Vorteilen beim Recycling“, erklärt Kroupa.
Solche Anpassungen zeigen, dass nachhaltigere Verpackungslösungen nicht zwangsläufig mit Einschränkungen bei Schutzwirkung oder Funktion verbunden sein müssen.
Die PPWR stärkt auch den Einsatz von Mehrwegverpackungen. In der Automobilindustrie sind solche Systeme bereits seit Jahren etabliert.
Allerdings zeigt die Praxis auch ihre Grenzen.
Klassische Mehrwegbehälter aus Kunststoff sind investitionsintensiv und wirtschaftlich meist nur bei hohen Umlaufzahlen sinnvoll. In globalen Lieferketten mit langen Transportwegen oder einseitigen Warenströmen stößt dieses Modell schnell an seine Grenzen.
Deshalb sieht NEXTPACK Potenzial in hybriden Lösungen, die mehrere Umläufe ermöglichen, ohne die Komplexität klassischer Mehrwegsysteme zu erzeugen.
Ein Beispiel sind papierbasierte Verpackungen, die vier bis sechs Umläufe überstehen können.
„Wenn solche Lösungen künftig als Mehrweg anerkannt werden, wäre das ein sehr praxistauglicher Ansatz“, sagt Kroupa. Wichtig sei jedoch, dass die Regulierung hier realistisch bleibt.
Ein Effekt der PPWR wird laut Kroupa besonders spürbar sein: die veränderte Rolle von Verpackung innerhalb der Unternehmen.
Lange Zeit wurde Verpackung in vielen Organisationen als reines C-Teil betrachtet – also als nebensächlicher Beschaffungsartikel mit geringem strategischem Einfluss.
Diese Sichtweise wird sich verändern.
„Künftig wird Verpackung stärker in Richtung B-Teil rücken“, so Kroupa. „Sie wird früher in Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden.“
Denn Verpackung beeinflusst weit mehr als nur den Schutz eines Produkts. Sie wirkt sich direkt auf Transporteffizienz, Lagerung, Handling und Kostenstrukturen aus.
Unternehmen, die Verpackung erst am Ende eines Entwicklungsprozesses berücksichtigen, verschenken daher oft erhebliche Optimierungspotenziale.
Für NEXTPACK bedeutet diese Entwicklung vor allem eine stärkere Beratungsrolle.
Das Unternehmen entwickelt, produziert und konfektioniert maßgeschneiderte Schutzverpackungen für industrielle Anwendungen und kombiniert dabei unterschiedliche Materialien wie Wabenpappe, Wellpappe und recycelbaren PE-Schaum.
Der Ansatz: Verpackung wird nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit Logistik, Handling, Lagerung und Transport.
„Unsere Stärke liegt in der Kombination aus Entwicklung, Beratung und Konfektionierung unterschiedlicher Materialien“, erklärt Kroupa. „Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Einkauf, Logistik und Produktion.“
Gerade im Kontext der PPWR gewinnt diese ganzheitliche Betrachtung an Bedeutung.
Auch wenn viele Detailfragen der Verordnung noch konkretisiert werden müssen, ist der grundsätzliche Rahmen bereits klar.
Die Anforderungen an Verpackungen werden schrittweise strenger. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Datenstruktur und Recyclingfähigkeit.
Unternehmen, die sich frühzeitig mit den neuen Vorgaben beschäftigen, können ihre Verpackungsstrategien rechtzeitig anpassen und Risiken vermeiden.
Die PPWR zwingt Unternehmen letztlich dazu, Verpackung neu zu denken – nicht nur als Materialfrage, sondern als Teil der gesamten Lieferkette und der eigenen Wertschöpfung.